Glaube in der Familie leben

Corona Krise - Krise als Chance?

Keine Heilige Messe, kein Kindergarten, kein Gebetskreis, kein Babysitter, kein Spielplatz – ist das überhaupt möglich? Was tun wir dann? Diese Fragen beschäftigten uns zu Beginn der Corona Zeit. Heute, rund 7 Wochen später, blicken wir auf so manche Herausforderung, Traurigkeit oder Einsamkeit. Vor allem aber auf eine erfüllte, fröhliche Zeit fernab von Langeweile. Sie hat uns sicherlich auch vieles abverlangt, aber mit Kreativität und Durchhaltevermögen wurde uns jede Menge Wachstum geschenkt. Wir sehen das sehr schnell, wenn wir unsere ältere Tochter an die Messlatte stellen, die Haare unserer Jüngeren bürsten oder gemeinsam die Minigurken im Hochbeet bewundern. Wir sehen es aber auch wenn wir etwas tiefer blicken und davon wollen wir euch erzählen.


Kreativität wächst
Plötzlich ohne Kindergarten war ich als Mama in der Situation für Vormittagsrituale, Bastelarbeiten und Musik zu sorgen. Ausgerüstet mit Kindergartennewsletter und Tipps von Pädagogen aus Familien- und Freundeskreis legten wir los und ließen nichts aus: Experimente, Salzteig, Rasierschaumbilder, Knetseife, Holzkreuze, bemalte Ostereier oder verzierte Osterkerzen. Auch beim Kochen und Backen tobten wir uns so richtig aus und merkten wie gut uns diese Dosis an Kreativität tut.


Natur wächst
Ohne Spielplatzbesuche legten wir Kilometer zu Fuß oder mit den Fahrrädern zurück, durchstreiften  Wälder, entdeckten Inseln im Bach, Buchten zum Steine werfen, Bäume zum Klettern und so viele Wege in unserer Umgebung, die wir sonst gar nicht wahrgenommen haben, die aber vor Ruhe und Schönheit strotzen. Und nebenbei entdeckten wir wie weit unsere Kinder gehen oder Radfahren können und wie gut es tut ohne Hektik einfach loszumarschieren.


Entfaltung wächst
Wir haben sie in unserem Herzen, die Dinge, die doch so nett wären, für die aber nie Zeit bleibt obwohl das Material längst zu Hause liegt. Nun war die Zeit für diese Dinge gekommen: Wir lackierten einen Schreibtisch für den Schulanfang im Herbst, bauten ein Hochbeet, eine Kletterwand im Garten, einen Werkstatttisch, räumten um und hängten neue Bilder auf.


Glaube wächst
Sehr schnell war uns klar, dass wir ohne Heilige Messe und Gebetskreis nicht leben konnten. Mit den Kindern machten wir Morgengebet, durchlebten die Ostergeschichte. Gemeinsam mit unserem Pfarrteam gestalteten wir sogar 2 Online-Kinderwortgottesdienste. Einmal in der Woche treffen wir uns per Skype mit unseren Freunden zum gemeinsamen Gebet. Und des Sonntags wird unser Wohnzimmer zur Kirche umfunktioniert und wir verfolgen gemeinsam per Livestream die Messe. Hier durften wir am Schnellsten Früchte sehen. Während unsere Kinder früher beim Abendgebet gerne zuhörten, bringen sie sich nun aktiv mit ihren Bitten und Dank ein und zu Ostern liefen sie Halleluja singend durchs Haus.


Gemeinschaft wächst
Obwohl wir sonst nicht so engen Kontakt mit der Großfamilie haben, versorgen wir unsere Familien und enge Freunde nun wöchentlich mit Fotos unserer Erlebnisse und kleinen Nachrichten. Unser Netz reicht bis nach Mexiko, wo gerade eine unserer Kusinen arbeitet. Zu Ostern haben wir viele Briefe und Pakete mit unseren Bastelarbeiten versendet und so unsere Freude geteilt.


Schwesternliebe wächst
Angesichts fehlender Spielpartner haben unsere beiden Mädels zu unserer  Freude entdeckt, dass sie den größten Schatz direkt vor der Nase haben: sich selbst. Nicht selten trifft man sie nun Händehaltend an.
Ja, Corona hat unser Leben auf den Kopf gestellt, aber Gott hat uns seine Fülle dazu geschenkt.

 

by Claudia Brechelmacher-Rattan